Die unmenschliche innerdeutsche Grenze
Die Klassen 9c, 9d und 9e der Johann-Brunner-Mittelschule Cham waren im „Deutsch-deutschen Museum“ in Mödlareuth
Die Schrecken der innerdeutschen Grenze konnten die Schüler der JBM Cham im ehemals geteilten Dorf Mödlareuth besonders gut nachempfinden.

Ein gutes Vierteljahrhundert ist es erst her, dass die beiden deutschen Staaten Wiedervereinigung feiern konnten – aber die Neuntklässler von heute sind ja erst 14 oder 15 Jahre alt und kennen die Situation nicht mehr, als mitten durch Deutschland eine 1400 Kilometer lange tödliche Grenze verlief. Genau dies ist der Stoff im Fach Geschichte in der 9. Jahrgangsstufe.
Nach dem Grundsatz „Grau ist alle Theorie“ machten sich, finanziell unterstützt durch das Landratsamt Cham, drei 9. Klassen der Johann-Brunner-Mittelschule auf den Weg, die ehemalige innerdeutsche Grenze hautnah zu erleben. Dies ist besonders gut möglich im „Deutsch-deutschen Museum“ im Mödlareuth. Dieses kleine Dorf liegt an der bayerisch-thüringischen Grenze nördlich von Hof. Außer in der Bundeshauptstadt Berlin wird die deutsche Teilung nirgendwo so augenfällig wie hier. Die Amerikaner nannten das Dorf „Little Berlin“, weil mitten durch die verschlafene 50-Seelen-Gemeinde eine Mauer verlief wie in Berlin.
In Mödlareuth angekommen, wurden die Chamer Schüler von einer kompetenten Museumsmitarbeiterin empfangen und durch diesen speziellen Teil der deutschen Geschichte geführt. Am Anfang standen ein Vortrag zur Historie des Ortes und originale Filmaufnahmen aus den 40 Jahren der deutschen Teilung: Es war immer schon so, dass ein Teil von Mödlareuth zu Bayern, der andere Teil zu Thüringen gehörte. Das liegt in der Geschichte des Ortes begründet und reicht weit in die Vergangenheit zurück.
Zu einem Problem wurde diese Sonderlage erst, als 1949 die DDR, also ein zweiter deutscher Staat, gegründet worden ist. Nun ging nämlich plötzlich eine Landesgrenze mitten durch den Ort; diese Grenze markierte der Dorfbach, ein Rinnsal von etwa einem halben Meter Breite. Hier standen sich nun auf der bayerischen Seite die US-Amerikaner und auf der thüringischen Seite die Sowjet-Armee gegenüber.
Als in den Fünfziger Jahren immer mehr DDR-Bürger in den Westen flohen, machte die DDR-Regierung kurzerhand die Grenze dicht - mit der Folge, dass mitten durch Mödlareuth eine unüberwindliche Mauer errichtet wurde. Ab diesem Zeitpunkt schaffte es keiner mehr, hier in den Westen zu flüchten. Nach der gefeierten Wiedervereinigung wurde ein Teil der Mauer erhalten und mit den Grenzanlagen als begehbares Museum eingerichtet, für die nachfolgenden Generationen als Mahnung.
Die Schülerinnen und Schüler konnten nun hautnah die Schrecken an der ehemaligen innerdeutschen Grenze erfahren: die Wachtürme, die Mauer, den verminten Todesstreifen, die Laufanlagen für die Wachhunde, den Zaun mit den Selbstschussanlagen, die getarnten Häuschen für die Schützen usw. Dieser außerschulische Lernort beeindruckte die Jugendlichen aus Cham durch die Unmittelbarkeit der Erfahrung der Unmenschlichkeit der deutschen Teilung.